Arthrose

Unter Arthrose verstehen wir Veränderungen eines Gelenkes, die durch Verschleiß entstehen. Dabei ist es vor allem die Knorpelfläche, die einer ständigen Abnutzung unterliegt. Knorpel besteht aus einem Netz aus Kollagenfasern. Das Netz ist eingebettet in einer Grundsubstanz die aus Proteinen besteht. Zusammen bilden sie eine perfekte Struktur um Stößen und Scherkräften stand zu halten. Wir wissen nicht, warum es zu Arthrose kommt. Vermutlich handelt es sich um eine Störung auf molekularer Ebene. Erste Studienergebnisse weisen in diese Richtung (Syndecan-4). Solange bis es vielleicht in den nächsten Jahrzehnten möglich werden wird, der Ausbildung der Arthrose vorzubeugen, sind wird gezwungen, lediglich die Folgen der Arthrose zu behandeln. Dabei ist die Arthrose als solche nicht heilbar! Wir können nur versuchen, die durch Arthrose entstehenden Beschwerden zu lindern.

2005 war in Deutschland bei ca. 7,6 Mio. Menschen eine Arthrose diagnostiziert worden. Bei ca. 35 Mio. Patienten wurde aber insgesamt Arthrose angenommen. Es besteht somit ein hoher Anteil von Patienten, bei denen Arthrose zwar besteht, die aber noch  keiner Therapie bedürfen.

Die ersten Zeichen einer Arthrose sind die Wetterfühligkeit, Steifigkeit, Schmerzen beim Anlaufen, später bei Belastung, ein Reiben des Gelenkes wird im späteren Stadium ebenfalls festgestellt. Es kommt zu einer Bewegungseinschränkung und auch zu einer Deformierung des Gelenkes.

Das Kniegelenk wird häufiger befallen als das Hüftgelenk, es folgen dann Arthrosen der Hand, der Schulter und des Fußgelenkes.

Arthrose kann durch Entlastung des Gelenkes nachhaltig behandelt werden. Dabei kommt der Gewichtsreduktion eine entscheidende Rolle zu. Auch Sport ist geeignet, Arthrosebeschwerden zu lindern.

Ein wichtiger Baustein der Therapie ist die physikalische Therapie in Form von Krankengymnastik, manueller Therapie, Muskeltrainingstherapie oder auch Wärme- und Kältebehandlung sowie Elektrotherapie oder Massagebehandlungen, auch Kälteschocktherapie führt zur guten Linderung der Arthrosebeschwerden. Hilfsmittel können Gelenke stabilisieren und wärmen. Schuhzurichtungen und Einlagen können bei Arthrosen an den unteren Extremitäten zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden führen. Auch die Akupunktur ist in der Lage Arthrosebeschwerden, insbesondere am Kniegelenk, nachhaltig zu bessern.

Die medikamentöse Therapie der Arthrose umfasst die klassischen Medikamente wie Paracetamol, Metamizol sowie die nichtsteroidalen Antirheumatika und die magenfreundlichen Coxibe, sowie bei schweren Zuständen auch die Opioide und Opiate.

Neue Studien werden mit Bisphosphonaten aber auch mit Anti-Nerve-Growth-Factor-  Antikörpern durchgeführt. Gelenkinjektionen bei Arthrose werden mit Cortikoiden und Lokalanästhetika, aber auch mit Hyaluronsäure zur Gelenkschmierung mit Erfolg durchgeführt. Nahrungsergänzungsmittel führen nachweislich zur Verbesserung der Knorpelstabilität, die genaue Wirkweise ist allerdings unklar, dabei werden Nahrungsergänzungsmittel wie Hyaluronsäure, Glucosaminsulfat, Chondroitinsulfat und Diazirin eingesetzt. Eine wichtige Rolle spielen auch Antioxidantien wie Vitamin E, Vitamin C und Omega-3-Fettsäuren.  Auch Mistel und Teufelskralle können helfen (siehe Igel-Leistungen).

Externe Salbeanwendung mit nichtsteroidalen Antirheumatika, aber auch mit Hausmitteln wie Quark und Pferdesalbe bewähren sich immer wieder.

Aktuelle Studien haben gezeigt, dass im Wesentlichen die Gewichtsreduktion, die Übungstherapie aber auch unter Wasser und auch Krafttraining, sowie die Medikation mit Paracetamol und nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) sowie auch die Patientenschulung, nachweislich eine Besserung der Arthrosebeschwerden bringen. Ein Großteil der erwähnten Behandlungsmöglichkeiten konnte in Studien nur unwesentlich bessere Ergebnisse erzielen, als die Gabe von Placebo. Allerdings war auch die Gabe eines Coxibes nur unwesentlich wirksamer als Placebo. Somit gilt bei der Arthrosebehandlung umso mehr der Satz „Das was hilft sollte man einsetzen, solange keine ernsten Nebenwirkungen zu erwarten sind“.

Bei entsprechendem Leidensdruck oder auch bei beginnendem Verlust von Knochensubstanz oder bei Beginn einer ausgeprägten Achsfehlstellung sind dann auch operative Eingriffe indiziert. Am Hüftgelenk kann im Frühstadium eine Hüftgelenksspiegelung hilfreich sein, der Einbau einer Hüftendoprothese ist der häufigste Protheseneingriff mit sehr guten Ergebnissen und einer raschen Rekonvaleszenz.

Am Kniegelenk können Knorpelersatztherapien, z.B. durch Mikrofrakturierung oder durch die Mosaikplastik, bzw. die autologe Chondrozytentransplantation, zum Erfolg führen. Meistens können hier aber nur begrenzte Knorpelschäden bei jüngeren Patienten unter 50 Jahren erfolgreich behandelt werden. Bei ausgeprägten, und vor allem auch auf mehreren Gelenkanteilen ausgedehnten Knorpelschädigungen, sind an Endoprothesen sinnvoll. Dabei können auch einzelne Gelenkkompartimente durch Teilprothesen ersetzt werden.

Endoprothetische Eingriffe am Schultergelenk und zunehmend auch am oberen Sprunggelenk haben ihren festen Stellenwert im Therapiealgorithmus gefunden. Bei Arthrose im Bereich unterhalb des oberen Sprunggelenkes sind versteifende Eingriffe vorzuziehen.

An der Hand können durch Arthrose veränderte Gelenke zum Teil durch Silastic-Prothesen ersetzt werden und dadurch eine schmerzfreie Funktion wiedererlangen. Dieses trifft vor allem für die überwiegende Anzahl der Fingergelenke zu, am Daumen und im Bereich des Handgelenks führen eher wieder versteifende Eingriffe zum Ziel.

Insgesamt stehen vielfältige Behandlungsmöglichkeiten für Arthrosepatienten zur Verfügung.

    

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